Eigener Bestellshop oder Lieferportal: Was am Ende übrig bleibt
Lieferportale bringen Bestellungen, aber sie kosten einen Teil jeder Bestellung. Wir haben zusammengetragen, was belegt ist: Marktgröße, Provisionen, Margen. Und rechnen durch, was bei einer typischen Pizzeria übrig bleibt.
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Wer über Lieferportale verkauft, kennt die Abrechnung am Monatsende: Von jedem Bestellwert geht ein fester Prozentsatz ab. Ob sich das lohnt, hängt an drei Zahlen: wie viel über das Portal läuft, wie hoch die Provision ist und wie viel dir nach allen Kosten normalerweise bleibt. Für alle drei haben wir nach belastbaren Quellen gesucht und schreiben dazu, wo es keine gibt.
Wie groß der Markt ist
Statista schätzt den Umsatz im Segment „Meal Delivery“, also mit Essenslieferungen von Restaurants und Plattformen, in Deutschland für 2025 auf 8,2 Milliarden Euro. Das ist eine Modellschätzung, keine Zählung, zeigt aber die Größenordnung.
Der größte Anbieter in Deutschland ist Lieferando, das zu Just Eat Takeaway gehört. Laut dessen Geschäftsbericht 2024 lag der Umsatz in Deutschland bei 720 Millionen Euro. In der Region Nordeuropa, in der Deutschland nach Bestellungen der größte Markt ist, wurden 2024 rund 269 Millionen Bestellungen abgewickelt, mit einem durchschnittlichen Bestellwert von 29,87 Euro. Im Oktober 2025 hat der Technologiekonzern Prosus Just Eat Takeaway übernommen.
Was Portale an Provision nehmen
Bei den Provisionen ist die Quellenlage dünn. Die Plattformen veröffentlichen ihre aktuellen Konditionen nicht frei zugänglich, sie stehen im jeweiligen Partnervertrag. Die letzten öffentlichen Angaben stammen von den Firmen selbst und sind einige Jahre alt:
| Portal | Provision laut Unternehmen | Stand |
|---|---|---|
| Lieferando, Lieferung durch das Restaurant | 13 % | Februar 2021 |
| Lieferando, Lieferung durch Lieferando-Fahrer | 30 % | Februar 2021 |
| Wolt | 25 bis 30 % | Februar 2021 |
Lieferando gab Ende 2020 außerdem an, dass weniger als zehn Prozent der Restaurants den Satz von 30 Prozent zahlen. Die damalige DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte zur selben Zeit über 30 Prozent Provision: „Da kann der Gastronom nicht existieren.“
Wie viel in der Gastronomie normalerweise übrig bleibt
Die Provision wird vom Umsatz berechnet, nicht vom Gewinn. Deshalb lohnt der Blick darauf, wie dünn die Margen in der Branche sind. Nach Daten des Statistischen Bundesamts für 2022 entfielen bei Restaurants, Gaststätten, Imbissen und Cafés rund 30 Prozent des Produktionswerts auf Personalkosten. Der Bruttobetriebsüberschuss lag bei rund 22 Prozent. Das ist allerdings noch kein Gewinn: Abschreibungen, Zinsen, Steuern und der Lohn des Inhabers gehen davon noch ab.
Deutlicher wird eine Auswertung der Creditreform aus dem Frühjahr 2026: Rund ein Drittel der Gastronomiebetriebe hatte eine negative Gewinnmarge, weitere 30 Prozent lagen unter 5 Prozent. Wenn von 100 Euro Umsatz am Ende weniger als 5 Euro übrig bleiben, macht eine Provision von 13 oder 30 Euro einen großen Unterschied.
Beispielrechnung: Pizzeria mit 300 Bestellungen im Monat
Angenommen, eine Pizzeria bekommt 300 Lieferbestellungen im Monat mit durchschnittlich 25 Euro. Das sind 7.500 Euro Bestellwert. Die Provisionssätze sind die oben genannten Unternehmensangaben. Die Rechnung ist eine eigene Beispielrechnung, keine Studie.
| pro Monat | pro Jahr | |
|---|---|---|
| Provision 13 % (eigene Fahrer) | 975 € | 11.700 € |
| Provision 30 % (Portal-Fahrer) | 2.250 € | 27.000 € |
| Eigener Shop mit App, Festpreis bei orderio | 99 € | 1.188 € |
Auch wenn nur ein Teil der Bestellungen vom Portal in den eigenen Shop wandert, bleibt pro verlagerter Bestellung der volle Provisionsbetrag im Betrieb. Bei einem Bestellwert von 25 Euro sind das 3,25 Euro bei 13 Prozent und 7,50 Euro bei 30 Prozent.
Was gegen den Komplett-Umstieg spricht
Portale bringen Sichtbarkeit. Wer neu in der Stadt ist oder dich noch nicht kennt, findet dich dort. Ein eigener Shop bekommt diese Laufkundschaft nicht von allein. Bewährt hat sich deshalb ein zweigleisiger Weg: Das Portal bringt neue Gäste, der eigene Shop holt die Stammgäste ab. Ein Flyer oder QR-Code in jeder Lieferung, ein Hinweis auf Google und ein kleiner Rabatt für die Bestellung im eigenen Shop sind die üblichen Hebel.
Wie verbreitet Plattformen im Alltag eines Restaurants sind, zeigt eine Branchenuntersuchung der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde vom Juli 2026: Befragte Wiener Restaurants machten im Schnitt 25 bis 30 Prozent ihres Gesamtumsatzes über Plattformen. Von denen mit eigener Website konnte nur gut jedes dritte auch direkt darüber bestellen lassen. Für Deutschland gibt es eine vergleichbare Erhebung bisher nicht.
Was wir nicht belegen konnten
Im Netz kursieren viele Zahlen zum Anteil von Direktbestellungen, zu Stammkunden-Quoten oder zu höheren Bestellwerten im eigenen Shop. Für Deutschland haben wir dazu keine seriöse Quelle gefunden und lassen sie deshalb weg.
Mit dem orderio Bestellsystem bekommst du Webshop und App unter deinem eigenen Namen, zum festen Monatspreis. Was das für deine Zahlen bedeutet, rechnen wir gern mit dir durch: Beratung anfragen. Mehr zum Thema auch in unserem Beitrag zu den Lieferando-Gebühren.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Provision bei Lieferando?
Lieferando nannte 2021 13 % bei Lieferung durch das Restaurant und 30 % bei Lieferung durch Lieferando-Fahrer. Aktuelle Sätze stehen im jeweiligen Partnervertrag.
Wie groß ist der Markt für Essenslieferungen in Deutschland?
Statista schätzt den Umsatz im Segment Meal Delivery für 2025 auf 8,2 Milliarden Euro.
Wie hoch ist die Gewinnmarge in der Gastronomie?
Laut Creditreform hatte 2026 rund ein Drittel der Betriebe eine negative Marge, weitere 30 Prozent lagen unter 5 Prozent.
Lohnt sich ein eigener Bestellshop?
Jede Bestellung, die vom Portal in den eigenen Shop wandert, spart die Provision. Bei 25 Euro Bestellwert sind das 3,25 bis 7,50 Euro je Bestellung.
Quellen
- Statista: Food Delivery in Deutschland
- Just Eat Takeaway.com Annual Report 2024
- Just Eat Takeaway: Prosus erklärt Angebot für unbedingt
- Hogapage: Neue Diskussion um Lieferdienstsysteme (2021)
- Salzburger Nachrichten: Lieferdienst-Kooperation für Wirte (2020)
- Destatis: Kennzahlen im Gastgewerbe
- Unternehmeredition: Creditreform zu Restaurantpleiten (2026)
- Bundeswettbewerbsbehörde Österreich: Branchenuntersuchung Essenslieferplattformen (2026)